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Frank Schirrmacher: Payback, 2010
Diskussion mit Autor im HR:
http://mp3.podcast.hr-online.de/mp3/podcast/hr2_kontrovers/hr2_kontrovers_20100123.mp3
kompakte Übersicht zum aktuellen (2009) Unbehagen gegenüber dem Medium Internet.
Die Diskussion über das Buch ist stellenweise interessanter wie das Buch selbst.
(vgl. zum Thema alte /neue Medien auch Buch 2.0; etwas zuversichtlicher
)
Lesen:
>Das Geheimnis im Herz des Lesens, schreibt Maryanne Wolf, die Verfasserin des maßstabsetzenden Standardwerks zur Biologie des Lesens, ist die Zeit ,mit dem es dem Gehirn die Freiheit gibt, Gedanken zu haben, die tiefer sind als die Gedanken, die ihm bisher gekommen sind
S.3
Ablenkung:
Der moderne Arbeitsplatz ist heute zu einem Ort äußerlicher Reglosigkeit und innerlichen Leistungssports geworden: Der durchschnittliche Bürobewohner wechselt ständig zwischen 12 verschiedenen Projekten, die er verfolgt, gerade beginnt oder noch zu Ende bringen muss. Dabei hält er es ungefähr 20 Sekunden vor einem geöffneten Bildschirmfenster aus.
Chaos im Kurzzeitgedächtnis S.63
internet law, Thomas Stadler:
Die Debatte ist wichtig und interessant. Man wird allerdings zu berücksichtigen haben, dass konservative Stimmen wie die Frank Schirrmachers naturgemäß zunächst die Oberhand behalten werden und die Deutungshoheit für sich beanspruchen. Das ist der menschlichen Neigung zum Kulturpessimismus geschuldet, die Karl Valentin mit dem Satz "Früher war sogar die Zukunft besser" trefflich umschrieben hat.
internet law: wie verändert das Internet unser Denken
Björn Eichstaedt:
Nur, was ich immer noch nicht begreife: haben alle anderen “Payback” nicht gelesen? Oder habe ich ein anderes Buch “Payback” gelesen? Es geht Schirrmacher in keinester Weise um Qualitätsjournalismus, um Verlage oder sonst etwas. Es geht um die Frage von Aufmerksamkeit, das Auslagern von Bewusstsein ins Netz, um neurobiologische Fragen, um künstliche Intelligenz. Aber um das Festhalten am Verleger-System?
aus einem Kommentar von Björn Eichstaedt bei carte
Weissgarnix:
Eine wesentliche Kernthese des Buches, die offenbar von einigen Rezensenten gründlich missverstanden wurde, besagt, dass Computer zunehmend nicht als Abbild menschlicher Bewusstseinsstrukturen funktionieren, sondern im Gegenteil, ihre mechanistisch-mathematische Sicht der Welt dem menschlichen Geist aufoktroyieren und so unser Verhalten steuern. Nolens volens vielleicht wagt sich Schirrmacher hier tief in den Bereich des Konstruktivismus, und kommt an einer der zentralen Stellen des Buches zur gleichen Erkenntnis wie Heinz von Förster: „Wir sehen nicht, was wir nicht sehen“.
weissgarnix: Schirrmacher leser wissen mehr
dazu auch interessante Diskussion in den Kommentaren.
Peter Glaser:
Schirrmacher hat eine Art Skript für ein intellektuelles B-Movie vorgelegt, in dem sich gehirnfressende Maschinensysteme, verbunden über das Internet, über unser Bewußtsein und unsere Aufmerksamkeit hermachen. Da das entsprechende Grusel-Oevre nicht neu ist - in den sechziger Jahren hieß es wahlweise “Reizüberflutung” oder “Managerkrankheit”, später “Information Overload” oder “Trödelfaktor”
Peter Glaser: Sammeln Sie Hirnchen
Aber Schirrmacher ist selbstverständlich ein sehr kluger Mensch und sein Buch “Payback”, in dem er eine Art Brandrede gegen die Überfrachtung durch Information hält, ist (was ich bisher gelesen habe) auch besser, als der Ruf, den das Buch in der Netzszene hat. Denn, da muss man schon ehrlich sein, ein wenig wird jedem schon mal anders, wenn er an all die Informationen denkt, die gelesen und verarbeitet werden wollen.
Don Dahlmann: Angst vor der Moderne